Wer war Apollonia?

Die Heilige mit dem Palmzweig in der einen und einer Zange mit gezogenem Zahn in der anderen Hand, so kennt man die Heilige Apollonia, die am 9. Februar jedes Jahr verehrt wird und als Schutzpatronin der Zahnmedizin gilt. Ihre Geschichte ist nichts für jemanden mit schwachen Nerven!

An diesem Tag soll im Jahr 249 n. Chr. in Alexandria die spätere Patronin der Zahnärzte und Zahnleidenden auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sein. Der Legende nach war sie zuvor bei einem Pogrom zusammen mit anderen Christen verschleppt worden. In ihrer Zeit wurden die Christen im alten Rom verfolgt und grausam gefoltert und hingerichtet. Es sollten noch zwei Jahrhunderte Vergehen, ehe das Christentum zur Staatsreligion wurde. Den Grund für die Verehrung von Apollonia benennt sehr treffend der dominikanische  Erzbischof und kirchenlateinische Schriftsteller Jacobus de Voraigne (1230 – 1298). In seiner “Legenda Aurea” aus dem Jahr 1260 schreibt er:

„Ihre erbarmungslosen Peiniger
waren sehr verwundert, als sie eine Frau
sahen, die mehr Qualen erleiden wollte, als sie
ihr bereiten wollten. Diese furchtlose Märtyrerin
konnte von den Qualen nicht besiegt werden. Ihr
Geist war von den Flammen der Wahrheit erfüllt
und war stärker als irgendeine andere Flamme.
Das von Menschenhand angezündete Feuer konnte
daher die ihr von Gott eingegebene Flamme nicht
löschen. Ihr Herz hielt jeder Prüfung stand.“

Wenige Jahre später riet Papst Johannes XXI. (Papst 1276/1277) seinen Gläubigen, bei Zahnschmerzen ein Gebet zu Apollonia auszusprechen.
Ausgestattet mit dieser Empfehlung wurde Apollonia schließlich zur Beschützerin vor Zahnschmerzen und zur Schutzheiligen der Zahnärzte sowie aller sonstigen Berufsstände im zahnmedizinischen Bereich. Als Todestag setzte sich allgemein der 9. Februar durch. Unter diesem Datum erscheint Apollonia auch im „Martyrologium Romanum“ von 1583, dem umfassenden Verzeichnis aller Märtyrer und Heiligen, das bis heute für die katholische Kirche verbindlich ist. Die offizielle Heiligsprechung Apollonias erfolgte 1634 durch Papst Urban VII.

Apolloniakörner beim Zahnen

Da die Heilige bei Zahnschmerz angerufen wird, nannte man auch auf Ketten aufgereihte Körner der Gemeinen Pfingstrose Apolloniakörner, die man zahnenden Kleinkindern zum Kauen gab.

Dieser Empfehlung können wir heute nicht mehr nachkommen. Es gibt allerdings Freunde der Homöopathie, die kleine weiße Kügelchen beim Zahnen verabreichen. Auch ein spezieller Beißring kann den Kleinen helfen.

Zum Gedenktag der hl. Apollonia gibt es eine Bauernregel, die nun überhaupt nichts mit Zähnen oder Zahnschmerzen zu tun hat: „Ist’s zu Apollonia feucht, der Winter sehr spät entfleucht.“