Schlechte Zähne erhöhen Demenzrisiko

Durch Zahnverlust steigt Risiko für Demenz

Hohe Wahrscheinlichkeit bei weniger als 20 Zähnen

Sie sind klein, aber können ganz schon nerven: Unsere Zähne. Die Wissenschaft deckt immer mehr Zusammenhänge zwischen unserem Allgemeinbefinden und unserem Kauapparat auf. Evolutionär gehen die Zähne aus den Schuppen hervor. Nicht die auf dem Kopf, sondern die, unsere ganz weit entfernten Verwandten, die Fische, heute noch mit sich herumtragen. Keine Wunder also, dass unsere Beißerchen uns so quälen können. Sie waren früher einmal Bestandteil unseres Panzers, unserer dicken Haut, die im Schadensfalle aufmucken muss, um uns zu warnen. Jetzt hat die Wissenschaft herausgefunden, wer sich nicht gut um seine Zähne kümmert und Zähne verliert, verliert auch potentiell früher seinen Verstand. Wir wissen schon länger: Unbehandelte Zahnerkrankungen wie die Parodontitis verursachen nicht nur Zahnausfall, sondern können lang andauernde Entzündungsreaktionen im ganzen Körper auslösen. Das schadet unserer Gesundheit. Gerade in Japan, wo Menschen durchschnittlich eine längere Lebenserwartung haben als bei uns in Europa, hat eine Studie ergeben, dass das Demenzrisiko alter Menschen bei großem Zahnverlust steigt. Wenn das Gebiss nur noch aus weniger als zwanzig Zähnen bestand, so die Studie, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung um 60 bis 80 Prozent im Vergleich zu ihren Gleichaltrigen, die noch mehr Zähne besitzen.

Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Journal of the American Geriatrics Society: „Unsere Studie betont die klinische Bedeutung von Zahnpflege und Zahnbehandlung — insbesondere im Hinblick auf den Zahnerhalt — für die Verringerung des Demenzrisikos im Alter”. Daten von 1 566 japanischen Männern und Frauen wurden ausgewertet, die mindestens 60 Jahre alt waren und noch keine Anzeichen einer Demenz vorwiesen.

Regelmäßige Zahnarztbesuche tragen zur Gesundheit im Alter bei

Ohne Zähne und (noch) ohne Probleme

Im Verlauf von durchschnittlich 5,3 Jahren entwickelten 180 Personen eine Demenz. Bei 127 von ihnen wurde eine Alzheimer-Krankheit erkannt, bei 42 eine vaskuläre Demenz, die auf Durchblutungsstörungen des Gehirns zurückgeht. Als Einflussfaktoren bei der statistischen Auswertung wurden Alter, Geschlecht, Beruf, Bildungsstand, Tabak- und Alkoholkonsum sowie einige Vorerkrankungen berücksichtigt. Es wurde nach dem Ausmaß der Zahnpflege und der Häufigkeit der Zahnarztbesuche gefragt. Im Vergleich zu Menschen mit mehr als 19 Zähnen erhöhte sich das generelle Demenzrisiko bei nur noch 10 bis 19 Zähnen um 62 Prozent, bei 1 bis 9 Zähnen um 81 Prozent und bei ganz fehlenden Zähnen um 63 Prozent. Auch das Risiko einer Alzheimererkrankung war bei denen mit starkem Zahnausfall merklich größer als bei den anderen. Eine derartige Beziehung ergab sich für die vaskuläre Demenz nicht. Die exakte Diagnose der Demenzform erfolgte durch bildgebende Verfahren und bei Verstorbenen durch Untersuchung des Gehirns. Für den nachgewiesenen Zusammenhang gebe es mehrere mögliche Erklärungen, vermuten die Wissenschaftler. Zum einen führt eine durch bakterielle Infektion hervorgerufene Parodontitis, eine der Hauptursachen von Zahnausfall, zu chronischen Entzündungen auch in anderen Teilen des Körpers, wodurch das Risiko für Alzheimer steigt. Zum zweiten bewirken die Kaubewegungen mit einem weitgehend vollständigen Gebiss eine verstärkte Durchblutung des Gehirns und erhöhen seine Sauerstoffzufuhr. Fehlt ein großer Teil der Zähne, kann das auch die Ernährung beeinflussen und ungenügend zerkaute Nahrung könnte sich negativ auswirken. Außerdem ist die mangelhafte Zahngesundheit ein Indikator für einen generell schlechten Gesundheitszustand, der in unterschiedlicher Form zur Entwicklung einer Demenz beitragen kann. Die Erhaltung gesunder Zähne, so die Forscher, sei daher wichtig, um kognitive Hirnfunktionen im Alter zu bewahren und das Demenzrisiko niedrig zu halten.